vom Backstein zum Flachbildfernseher

20.05.2013
erstmals veröffentlicht in !SZENE
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Nicht - oder zumindest nicht nur - aus Trägheit, sondern durchaus ein Stück weit aus Überzeugung sehe ich technischen Entwicklungen gerne erst mal beim Entwickeln zu. Die Erfahrung lehrt, dass vieles, das im weit verbreiteten zwanghaften Auf-dem-Stand-sein-müssen sofort nach Erscheinen gekauft wird, solange es noch völlig überteuert angeboten wird, einem kurze Zeit später dank Überholung durch noch neueres Neues überall hinterher geschmissen wird. Oder es entpuppt sich schlicht als überflüssiger Unsinn und verschwindet wieder in der Versenkung.
Ich denke, man sollte nicht unbedingt in der technischen Steinzeit verharren, aber es genügt völlig, dem Trend in sicherem Abstand zu folgen.

Natürlich funktioniert das nur, solange es noch genug Trottel gibt, die sich alle Neuheiten mehr oder weniger unbesehen schnellstmöglich anschaffen. Deswegen will ich nichts gesagt haben. Macht nur weiter so!

Im Rahmen dieses gelebten Konzepts kann es natürlich passieren, dass man sich Verhöhnungen ausgesetzt sieht, etwa weil man ein Handy sein eigen nennt, das schon vor Jahren aus dem Handel genommen wurde.
So agierte ich geraume Zeit mit abgelegten Altgeräten von Freunden und Bekannten, die der Entwicklung zu immer kleineren Geräten zum Opfer gefallen waren. Heute muss ich rückblickend sagen: Ja, diese Kästen von Größe und Gewicht eines kleinen Backsteins, die ich lange mit mir herumschleppte, waren hässlich und drückten unangenehm in der Hosentasche, vor allem im sitzen.
Deshalb habe ich inzwischen auch längst ein richtig kleines Handy mit allen Funktionen, die ein Handy so hat. Sein allergrößter Vorteil: Man kann es sich in die Tasche stecken und merkt kaum was davon. Herrlich. Ja, eine schöne Entwicklung. Danke dafür.

Doch halt: Längst hat sich der Trend wieder umgekehrt. Mittlerweile sind Handys gar keine mehr, sondern alle Welt schleppt kleine Flachbildfernseher mit sich herum, die in keine handelsübliche Hosentasche mehr passen und mindestens zu zwei Dritteln Funktionen beherrschen, die der Eigentümer nicht braucht bzw. für die es weit geeignetere Geräte gibt.

So kommt es, dass ich mittlerweile für die geringe Größe meines Handys verhöhnt werde. Und zwar von den gleichen Leuten, die sich vor nicht allzu langer Zeit über das Gegenteil mokierten.

Da wollte ich einfach nur mal fragen:

Äh?