Verkehrsmelder: Schottland

05.07.2012

von der "alten" Timbo-Seite
von der "alten" Timbo-Seite

Als ich noch regelmäßig meine Artikelchen zu schreiben hatte, war es liebgewonnene Gewohnheit, nach einem Urlaub, der die aktive Teilnahme an ausländischem Straßenverkehr umfasste, die dortigen Verhältnisse und Gepflogenheiten zu schildern, sofern sie sich dafür als absurd genug erwiesen. Diese Tradition für diese Stelle hier wieder aufleben zu lassen, war mein Vorsatz. Doch der hat sich während meiner Schottland-Tour verflüchtigt, denn.​.​.

Was soll ich schreiben?​?

Diese Frage ist keineswegs rhetorischer Natur.

Schilder mit Ge- und Verboten werden in Schottland beispielsweise sehr dosiert und sinnvoll eingesetzt. Hallo Deutschland!
Statt drei übereinandergepappten Hinweisen etwa, welche Verhaltensweisen in der nächsten Kurve Bußgelder nach sich ziehen könnten, steht einfach „"SLOW"“ auf der Straße. Da kann dann jeder selber entscheiden, ob er den Rat beherzigen oder lieber geradeaus ins Gebüsch rauschen will.

Die diversen Arten von Mittelstreifen lassen je nach Erscheinungsbild ihr rechtmäßiges Überqueren zu oder eben nicht, wobei letzteres keinen juckt, wenn man einen Schnarchzapfen, einen Radfahrer oder ein Schaf überholen möchte. Man entscheidet das mehr oder weniger situationsabhängig selbst, und solange nichts passiert, scheint es allen, inklusive Polizei, ziemlich egal zu sein.

Überholverbots-Schilder hingegen existieren in Schottland überhaupt nicht, glaube ich. Und schon gar keine Überholverbote mit Ausnahme von Traktoren außer für LKWs mit mehr als 7,​5 Tonnen Gewicht sowie an Sonn- und Feiertagen ungeraden Datums zwischen 17:​14 und 17:​19 Uhr (Lärmschutz).

Die überaus freiheitlich daherkommenden Vekehrs-Nicht-Regeln harmonieren ausgezeichnet mit einer meinerseits bislang nur höchst selten erlebten Gelassenheit der Verkehrsteilnehmer. Flächendeckend. Egal ob in verstopfter Hauptstadtstraße oder bei der Begegnung im Rahmen des einspurigen Highland-Holperns.
Ich vermute, Hupen gelten in Schottland als Sonderausstattung. Anders die Lichthupe, die der Schotte allerdings nahezu ausschließlich im Sinne von „"Bitte, mein lieber Entgegenkommender, nach Ihnen! Wie geht es Ihnen denn sonst so?​"“ verwendet, wenn er mal wieder seit zehn Minuten auf der Single-Track-Road in einer Ausweichstelle parkt, weil er vorhin am Horizont ein entgegenkommendes Fahrzeug zu erahnen glaubte.

Kurz und gut: es ist geradezu faszinierend, wie einfach alles sein kann, wenn man a) die Leute lässt und b) diese das nicht allzu wild ausnutzen.
Dass das in Deutschland nicht möglich wäre - bedingt weniger durch die höhere Verkehrsdichte als vielmehr durch das vielfach wunderliche Verhältnis des Deutschen zu seinem blechernen Geschlechtsteil bzw. seiner Kontostandsveröffentlichung bzw. seinem tandüberfrachteten Gartenhäuschen-Ersatz bzw. seiner Privat-Plakatierflächen bzw. zu was auch immer ein Fortbewegungsmittel hochstilisiert werden kann.​.​. zudem wird der hiesige Straßenverkehr ja nebenbei auch dringend zum Abreagieren aufgestauter Relikte frühsteinzeitlicher Verhaltensmuster gebraucht.​.​. Schotten benutzen ihre meist relativ schmucklosen Autos primär ihrem eigentlichen Zweck entsprechend, schmeißen im Übrigen halt gelegentlich grunzend ein paar schwere Steine durch die Gegend und gut is.​.​.
Dass das also in Deutschland nicht funktionieren würde, ist mir völlig klar. Und ein Italien mit schottischen Freiheiten im Straßenverkehr bzw. die daraus resultierenden Werkstatt- und Krankenhaus-Rechnungen will ich mir gar nicht vorstellen.
Nichtsdestotrotz: Es war was zum Genießen.

Und etwas, worüber ich nichts weiter schreiben kann.

Also lass ich's.