Verkehrsmelder: Irland

08.10.2012

erstmals veröffentlicht in !SZENE am27.08.2004
erstmals veröffentlicht in !SZENE am27.08.2004

(bevor ich wegfahre und vielleicht danach schon wieder was zu den Fahrgewohnheiten im Ausland zu erzählen habe, hier noch eben ein weiteres altes Fundstück aus der "Verkehrsmelder"-Reihe zur Komplettierung der Sammlung)

Nachdem meine letztjährigen Präparationshinweise für das Autofahren in Frankreich und Italien, wie ich stolz behaupten darf, weitgehend auf Bestätigung stießen, möchte ich diesmal die Erfahrungen weitergeben, die ich vor kurzem in Irland gemacht habe.

Richtig, Irland ist so ein Land, in dem die Leute auf der falschen Straßenseite fahren müssen, weil die Autoindustrie dort ihre von Azubis verkehrt zusammengebauten Fehlproduktionen losschlägt. Doch man gewöhnt sich relativ schnell an diese Unsitte. Die Zahl der Versuche, mit der Fensterkurbel den Gang zu wechseln, nimmt ab, und irgendwann betätigt man auch nicht mehr die Sitzverstellung statt der Handbremse. Das Fahren selbst ist dann eigentlich kein Problem mehr.

Dafür gibt es ein anderes, das nicht so einfach weg zu trainieren ist: Das Entschlüsseln der Straßenschilder.

Problem eins: Lesen und Verstehen. So ist beispielsweise Zahl nicht gleich Zahl. Ob der Hinweis, bis zur nächsten Stadt seien es "20", im Einzelfall Kilometer oder Meilen meint (beides wird tatsächlich verwendet), erschließt sich oft erst durch Ausprobieren. Aber letztlich sollte man froh sein, wenn so ein Schild überhaupt da steht. Häufig wird nämlich als bekannt vorausgesetzt, in welcher Richtung die nächsten Ortschaften liegen, weshalb an Kreuzungen - viel wichtiger - ausschließlich die umliegenden Bed&Breakfast-Häuser ausgewiesen sind. Oder die Orte sind (in abgelegeneren Gegenden gerne ausschließlich) mit ihren irisch-gälischen Namen angeschrieben, die nun leider so überhaupt nichts mit dem zu tun haben, was sich auf der in Deutschland gekauften Straßenkarte finden lässt.
Egal, dann wird halt herumgeirrt, man ist ja ohnehin da, um was von der Landschaft zu sehen.

Doch halt! Hier kommt Problem zwei ins Spiel: der Ire will gar nicht, dass man in seinem Land herum fährt! Zumindest nicht zügig.
Deshalb platziert er unter anderem vor kaum merklichen Biegungen Warnschilder, die suggerieren sollen, man rase gerade auf eine gefährliche Spitzkehre zu. Vor wirklich engen Kurven hingegen hält er derartige Hinweise für überflüssig. Womöglich soll der Schreck, wenn man mal dem Nicht-Vorhandensein einer Warnung aufgesessen und gerade noch so auf zwei Rädern ums Eck gekommen ist, dafür sorgen, dass man fürderhin einfach vor JEDER Kurve bremst.

In diesem Zusammenhang ebenfalls phänomenal: Würden auf allen mit jeweils rund 23 Schildern angekündigten, darüber hinaus zum Großteil allerdings nicht erkennbaren angeblichen Baustellen auch nur je zwei Leute tatsächlich arbeiten, gäbe es im Bereich des Straßenbaus europaweit keine Arbeitslosen mehr.

Und würde man alle damit zusammenhängenden Geschwindigkeitsbegrenzungen tatsächlich beachten, käme man vermutlich am Tag nicht weiter als "20".