Urlaubsnachwehen

04.03.2018

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(eine möglicherweise archivierenswerte Mitteilung für meine facebook-Freunde nach einem Südamerika-Urlaub)

Mit Liebe und Herzblut schrieb ich, teilweise an den unmöglichsten Orten und in den unmöglichsten Haltungen, bis mein Rücken zu brechen und meine Hand abzufallen drohte.

"Wer schreibt denn heute noch so viele Postkarten?", fragte mich tatsächlich ein Mitreisender.

"Ich!", antwortete ich wahrheitsgemäß.

Erschrocken war ich, als man mir sagte, man könne die Karten leider nicht auf dem Schiff aufgeben. Aber die letzte Chance kam noch, der letzte Ort mit Postamt. Stürmisch war's in diesem fremden Land, doch nichts hielt mich zurück, ich kämpfte mich zum Ziel, erstand zwei Zentner bunte Postwertzeichen und verbrachte wahrscheinlich mehrere Tage damit, sie an einem zu kleinen Tresen stehend hinreichend zu befeuchten, bis mein Mund völlig ausgetrocknet und meine Zunge wund war. Ach, was hätte ich um eines dieser wunderbaren, jedoch offenbar eher bei uns als in Patagonien gebräuchlichen, meist in schmutziggrünes Plastik eingefassten Befeuchtungskissen gegeben, und hätte es noch so sehr gestunken, wie solche Befeuchtungskissen meistens stinken!

Aber alles ertrug ich mit einem Lächeln ob des Gedankens an Eure überbordende Begeisterung, wenn Ihr die mit sorgsam ausgewählten Motiven und fein formulierten, mitunter augenzwinkernden Texten versehenen Kleinodien aus dem Briefkasten fischen würdet.

Jedoch: Eineinhalb Monate und einige Nachfragen später muss ich davon ausgehen, dass keine einzige der Karten angekommen ist und wohl auch keine mehr ankommen wird.
Das ist schade.

Immerhin ermöglicht mir dieser Umstand zu behaupten, ich hätte wirklich jedem von Euch eine geschrieben. JEDEM.
Habe ich?
Auch Dir?
Wer weiß?
Schrödingers Postkarte.

Ich hoffe, Ihr freut Euch. Alle.