Schlechtes Wetter

28.06.2011

erstmals veröffentlicht in !SZENE am 19.07.2002
erstmals veröffentlicht in !SZENE am 19.07.2002

Was ist eigentlich schlechtes Wetter?
Nun, nach Volkes offensichtlicher Meinung gibt sich solches in der Regel durch Niederschlag zu erkennen. Außer, es rieselt weiße Weihnachten. Das ist dann wieder toll, und der Einspieler vor dem Wetterbericht zeigt den lustig an verschneiten Hängen herumtollenden Nachwuchs mitsamt seinen um das Fest herum angeblich permanent leuchtenden Kinderaugen im Gesicht - nicht etwa die witterungsbedingte Massenkarambolage auf der A7.

Sonst aber kann man durchaus einmal als Grundsatz festhalten: schlecht ist, wenn was runterkommt.

Unverständlich eigentlich. Man muss sich schließlich nur was Richtiges anziehen und/oder über den Kopf halten, und wenn man doch mal nass wird, wird man auch wieder trocken. Außerdem riecht die Welt selten besser als nach einem reinigenden Sommerregen.

Klettert hingegen die Quecksilbersäule dank permanenter Sonnenbestrahlung über die 25-Grad-Marke, jubelt alle Welt inklusive sich wie Verkünder eines Lottogewinns gebärdender TV-Wetterfrösche, wie fantastisch das wäre.
Paradox. Denn jetzt ist jeder dauernd nass. Von alleine trocknen geht nicht mehr, und anziehen kann man dagegen auch nichts. Nicht mal genug ausziehen kann man. Außerdem stinkt die Welt. Vornehmlich nach Schweiß. In geschlossenen Räumen herrscht Erstickungsgefahr, und auch draußen eignet sich die Luft weniger zum Atmen als zum Dagegenlaufen.Ich selbst bringe unter solchen Umständen kaum feste Nahrung runter, muss aber laufend trinken. Mein Magen nimmt sich Hitzefrei und lümmelt untätig neben der ständig überlasteten Blase. Auf meinen Zigarettenkonsum reagiert er wegen der Leere mit latenter Übelkeit, die, gepaart mit den nicht enden wollenden leichten Kopfschmerzen, nur einen Schluss zulässt:
DAS ist schlechtes Wetter. Denn von eher seltenen Unwettern mit Katastrophencharakter mal abgesehen zieht es mit Abstand die meisten negativen Folgen nach sich.

Das ist logisch.
Allerdings ist es für die ganz überwiegende Mehrheit offenbar schwer zu begreifen.

Mir fallen spontan genau zwei Vorteile einer Hitzeperiode ein:
1. Ich könnte abends, wenn die Temperaturen in den erträglichen Bereich gesunken sind, länger in einem Biergarten sitzen; allerdings sind diese, soweit zu Fuß erreichbar, vor elf dicht mit schwitzenden Hintern belegt und nach elf geschlossen.
2. Wäsche trocknet schneller.