Reisewarnung

01.01.2014

von der "alten" Timbo-Seite
von der "alten" Timbo-Seite

Wenn ich nur lange genug wartete, dachte ich, würde die Erinnerung an dieses Erlebnis verblassen. Doch alleine, dass ich seither immer wieder Probleme mit meinem linken Knie habe, bringt das Erlebte, das ich zu verdrängen hoffte, wieder und wieder in mein Gedächtnis. Und so sei es nun zumindest dazu gut, dass ich alle, die einen Langstreckenflug planen, deutlich warne:

Fliegt nicht mit einer gewissen Fluggesellschaft, welche laut Werbung eine Vorliebe für Insekten hat.

Schon gar nicht von Frankfurt aus. Denn schon dort beginnt der "Spaß". Ich meine, das ist kein Provinzflughafen, nein, das ist ein internationales Drehkreuz, aber selbst dort gibt es Ecken, die jede auch nur als unterdurchschnittlich zu bezeichnende Ausstattung vermissen lassen. Und genau von dort, vom Terminal 1 C, startet exklusiv die Folterfluglinie und stimmt einen so schrittweise auf das noch Kommende ein. Hinter der Sicherheitskontrolle nämlich, wo sich sonst Shops und Verpflegungsstationen finden, ist dort.​.​. nichts. Gar nichts. Ein angetäuschter Kiosk, bestehend aus einem verwaisten Tresen und einem mit Kette und Vorhängeschloss gesicherter Kühlschrank, verhöhnt durstgeplagte Flugopfer.

Gelangt man dann ins Flugzeug, kann man versuchen, sich auf seinen Platz zu setzen. Viel Spaß dabei wünsche ich jedem mit einer Körpergröße von über 1,​60.
Ja, ich weiß, wer günstig reisen möchte, sollte nicht unbedingt erwarten, dass ihm während des Fluges von adretten Tänzerinnen nach ihrer Darbietung die Füße gesalbt werden, bevor der Kaviar serviert wird, aber zumindest Bedingungen, die bei Tiertransporten vor prüfenden Behördenaugen bestehen würden, wären doch hübsch, zumal bei Flugzeiten von über acht Stunden.

Ach ja, wer übrigens hofft, sich diese Flugzeit durch das hochklassige (...) Unterhaltungsprogramm auf den Bildschirmen vertreiben zu können, sollte dafür schon bei der Buchung Sorge tragen und auf den Blick aus dem Fenster verzichten. Bildschirme gibt es nämlich nur über den Mittelreihen, und auch dort nur in mehreren Metern Abstand. Wer - wie ich - ungünstig an der Seite sitzt, hat ansonsten die Wahl zwischen dem Erwerb eines Opernglases oder einem 3Grad-TV-Erlebnis. Yep, 3Grad, nicht 3D, denn wenn der einzige mit bloßem Auge erkennbare Bildschirm nur mit ständig verdrehtem Hals aus einem sehr, sehr spitzen Winkel zu beobachten ist, ergeben sich neben Nachenschmerzen auch fantastische neue Perspektiven.

Das Fass zum Überlaufen brachte jedoch die Erkenntnis: Die wissen das. Die sind nicht nur gedankenlos, nein die foltern gezielt, um denjenigen, die auf günstige Angebote reinfielen, schließlich doch noch was herauszupressen. Es folgte nämlich kurz vor dem Start etwa folgende Durchsage:

"Na, liebe Fluggäste im Niedrigpreissegment, sitzen Sie "bequem"? Muuuuhahahaha! Merken Sie schon, wie Ihnen die Beine schmerzen und die Füße absterben? Meinen Sie, Sie sind tapfer genug, um das stundenlang durchzuhalten? Wirklich? WIRKLICH? Sehen Sie, wir sind ja keine Unmenschen. Sie müssen die Folter keine Minute länger ertragen. Noch bevor das Essen kommt, bei dem Sie ohne jede Auswahl genau das vorgesetzt bekommen, was die Gäste der Normalklasse übriglassen, können Sie schon einer von diesen vollwertigen Reisenden sein. Wäre das nicht schön? Fünfhundert Euro Aufpreis nur. Sagen Sie "ja", und das Martyrium ist vorbei. Es liegt ganz bei Ihnen.​"

Zugegeben, der Wortlaut der Durchsage war möglicherweise geringfügig anders, der Sinn aber war genau dieser, und es hätte tatsächlich nur fünfhundert Euro gekostet, sich in die Durchschnittsklasse umsetzen zu dürfen. Einer ist eingeknickt. Die anderen aber, so auch ich, hielten eisern durch, gönnten den Sadisten ihren Triumph nicht.
Wir waren Helden! Helden im Dienste der Errettung anderer, die sich sonst womöglich blauäugig in dieselbe Lage begeben hätten.

Glaubt mir also und lasst die Finger davon. Ich will mir Euer Gejammer hinterher nicht anhören müssen.

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Fachteil 1: Wer meint, ich würde übertreiben, der lese mal Flugbewertungen im Internet zum Thema Sitzcomfort auf Langstreckenflügen. Gerne entschuldigt man sich bei Beschwerden offenbar damit, dass es sich aktuell um eine kurzfristig eingesetzte, eigentlich nicht für Langstreckenflüge vorgesehene Ersatzmaschine handeln würde. Das ist jedoch entweder gelogen, oder die Fluggesellschaft fliegt ausschließlich mit ungeeigneten Ersatzmaschinen.

Fachteil 2: In Broschüren hat die Fluggesellschaft angekündigt, die gesamte Flotte 2014 im Innenraum neu ausstatten zu wollen. Ich werde das womöglich bei Gelegenheit überprüfen. Wenn ich mich traue.