Ein Mann namens Meike

27.07.2011

erstmals veröffentlicht in KULT Nr. 16 (1996)
erstmals veröffentlicht in KULT Nr. 16 (1996)

(ein uralter KULT-Text - WIE uralt, das wissen all jene, die sich erinnern können, wann das "Rosa Rosa" zuletzt gestrichen wurde - aber eigentlich zeitlos, und ich mag ihn irgendwie... für alle, die sich fragen, ob in KULT eigentlich nur Unsinn stand...)

Dieser Vogel! Ein komischer Vogel. Soll ich schuld sein an dem Zeug, das er in der letzten Ausgabe geschrieben hat. Behauptet er. Ich kann doch nicht an allem schuld sein!

Obwohl ich wirklich kein Problem damit habe, mich zu entschuldigen. Zum Beispiel bei Freund Ralphf. Entschuldige, Ralphf, aber ich weiß bis heute nicht, ob man dich mit f oder ph schreibt. Aber schließlich gibt es sogar Leute, die nicht wissen, wie man "Olympiastadion" schreibt, obwohl sie sogar studiert sind. Zumindest nehme ich an, dass derjenige, der in der Toilette des universitären RW-Gebäudes "Olypiastadion" an die Wand gekritzelt hat, tatsächlich auch studiert und nicht nur zum "Olypiastadion"-an-die-Wand-kritzeln dorthin gegangen ist. Oder um sich den Hintern abzuputzen, weil das Klopapier im RW-Gebäude um einiges weicher ist als das in der Mensa. Da kann ich ja gleich die superkratzigen und saugunfähigen grünen Handtücher aus dem Spender zur Säuberung meines zweiten Gesichts benutzen! "Richtig, du F...!" Das steht auch in der RW-Toilette. Und zwar direkt unter "Freistaat Franken - frei statt Bayern!". Und neben "Scheiß Fischkopf!". Da mag wohl einer die Norddeutschen nicht.

Mit denen habe ich allerdings auch ein Problem. Die sagen nämlich am Telefon immer Sachen wie "Hallo, hier ist Meike!". Da fehlt das DIE. DIE Meike ist da. Wenn nun jemand Maria heißt - und es gibt ja auch Männer mit diesem Namen - dann weiß man gar nicht, ob der Gesprächspartner nun DER oder DIE Maria ist. Na gut, vielleicht gibt es auch keine Männer, die Meike heißen. Oder sie haben dann ganz tiefe Stimmen. Mag ja sein. Trotzdem.

"Trotzdem" ist übrigens immer ein gutes Argument. Damit kann man jeden Disput als Sieger verlassen. "Siehst du ein, dass ich recht habe?" - "Ja, aber trotzdem." Gemerkt? 0:1 durch lässigen Flachschuss. Aber wer spielt heute in seiner Freizeit schon noch Fußball? Nein, es müssen modernere Sportarten her. Mountainclimbing. Freebiking. Oder Kreuzungsbaseball. Nicht bekannt? Man stellt sich mit einem Schläger auf eine Kreuzung, frontal zu der Seite, für die die Ampel gleich grün wird. Wenn die Autos losfahren, versucht man, dem vordersten einen Scheinwerfer zu zertrümmern. Schafft man es, anschließend nach Hause zu rennen, ohne dass einen der erboste Fahrer erwischt, hat man einen Homerun.

Das ist doch immer noch besser für den Adrenalinkick als Hüpfen am Gummiseil. Was soll daran aufregend sein? Gummihüpfen ist was für Mädchen auf dem Pausenhof der Grundschule, und wenn sich eines davon verheddert und mit Fuß in Gummiseil stürzt, wird deswegen noch lange kein Extremsport draus. Mega-out. Wie Tennissocken.

Wobei "out" sein ja schon wieder "in" ist, was wiederum nicht heißen soll, dass ich deswegen mit Gummihüpfen anfange oder Tennissocken trage.

"In" ist auch der neue Anstrich im "Rosa Rosa", weswegen er "out" ist. Aber das Rosa ist immer noch das Rosa, meine KULT-Kneipe Nr. 1, und was die Farbe angeht, muss man einfach ein bisschen tolerant sein.

Die Mutter eines guten Freundes hat mal zu ihm gesagt: "Du bist gar nicht tolerant, dir ist nur alles wurscht!" Na und? Mir ist die Farbe auch wurscht. Wenn man im Rosa sitzt, vergisst man sie sowieso mit der Zeit. Mit etwas mehr Zeit kann man sogar vergessen, wo man wohnt. Allerdings braucht man dazu nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Und das kommt nicht mit der Zeit, denn da kommt schon der Rat. Obwohl Zeit Geld ist. Oder vielleicht isst? Angeblich geht das gar nicht, sagt Greenpeace via Aufkleber, den unter anderem ein Nachbar meiner Eltern auf seinem hässlichen Auto hat. Aber, so der Aufkleber weiter, das merken wir eh erst, wenn der letzte Baum gerodet ist und so weiter. Und das dauert noch ein Weilchen.

Bis dahin überlasse ich mein Geld der Zeit, und wenn es dann irgendwie weniger wird, weiß ich zumindest, wer's gefressen hat.