WELTANSCHAULICHES

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Mein kleiner Blog, den ich mit Texten zu füllen gedenke. Faszinierend! Und zwar u.a. mit dem Best-Of aus der guten alten "KULT" und "!Szene"/"Hintergedanken"-Zeit. Aber sicher auch mit dem einen oder anderen neuen... 


04. März 2018, 15:07

Gibt's wirklich!

Meine ganz persönliche Empfehlung für einen frühen Samstagnachmittag:
Mal wieder den Sendersuchlauf am Fernseher durchrennen lassen und sich über Entdeckungen wie "Sparhandy-TV" freuen. Ich werde wohl nie in Erfahrung bringen (wollen), was da so läuft, aber die pure Existenz eines Senders mit diesem Namen macht mich seltsam fröhlich.

Redakteur

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04. März 2018, 15:06

Urlaubsnachwehen

(ein möglicherweise archivierenswerter facebook-Eintrag)

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Mit Liebe und Herzblut schrieb ich, teilweise an den unmöglichsten Orten und in den unmöglichsten Haltungen, bis mein Rücken zu brechen und meine Hand abzufallen drohte.
"Wer schreibt denn heute noch so viele Postkarten?", fragte mich tatsächlich ein Mitreisender. "Ich!", antwortete ich wahrheitsgemäß.

Erschrocken war ich, als man mir sagte, man könne die Karten leider nicht auf dem Schiff aufgeben. Aber die letzte Chance kam noch, der letzte Ort mit Postamt. Stürmisch war's in diesem fremden Land, doch nichts hielt mich zurück, ich kämpfte mich zum Ziel, erstand zwei Zentner bunte Postwertzeichen und verbrachte wahrscheinlich mehrere Tage damit, sie an einem zu kleinen Tresen stehend hinreichend zu befeuchten, bis mein Mund völlig ausgetrocknet und meine Zunge wund war. Ach, was hätte ich um eines dieser wunderbaren, jedoch offenbar eher bei uns als in Patagonien gebräuchlichen, meist in schmutziggrünes Plastik eingefassten Befeuchtungskissen gegeben, und hätte es noch so sehr gestunken, wie solche Befeuchtungskissen meistens stinken!

Aber alles ertrug ich mit einem Lächeln ob des Gedankens an Eure überbordende Begeisterung, wenn Ihr die mit sorgsam ausgewählten Motiven und fein formulierten, mitunter augenzwinkernden Texten versehenen Kleinodien aus dem Briefkasten fischen würdet.

Jedoch: Eineinhalb Monate und einige Nachfragen später muss ich davon ausgehen, dass keine einzige der Karten angekommen ist und wohl auch keine mehr ankommen wird.
Das ist schade.

Immerhin ermöglicht mir dieser Umstand zu behaupten, ich hätte wirklich jedem von Euch eine geschrieben. JEDEM.
Habe ich?
Auch Dir?
Wer weiß?
Schrödingers Postkarte.
Ich hoffe, Ihr freut Euch. Alle.

Redakteur

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26. August 2017, 10:58

Warum ich kurzzeitig Sven Regener nicht mehr mochte

Ich träume nicht oft (zumindest nicht so, dass ich es danach noch wüsste), und wenn, dann erscheint es mir wenig berichtenswert. DIESER Traum allerdings verfolgt mich noch immer, obwohl er jetzt schon zwei Wochen zurück liegt. Wenn sich irgendwer zum Deuter berufen fühlt: Ich wäre sehr gespannt auf die entsprechenden Kommentare.

Also:

Ich habe mich in München mit Sven Regener getroffen!
(Info, soweit erforderlich: Das ist der Front man der großartigen deutschsprachigen Band "Element of Crime".)
Okay, der wohnt nun eigentlich nicht in München. Und er sah eigentlich aus wie ein Bekannter von mir... Egal, es war in München, und wir waren uns einig darin, dass es Sven Regener war.
Wir verstanden uns auf Anhieb. Er war sehr redselig, erzählte mir wie aufgekratzt plappernd einen Schwank nach dem Anderen, bis ich langsam mal zum Bahnhof musste, um den letzten Zug nach Hause zu erwischen.
Mein neuer Kumpel wollte mir den Weg dorthin zeigen, jedoch führte der ihn zuuuufällig vorbei an einer Kneipe, die ihm selbst gehörte, und die er mir unbedingt noch präsentieren wollte. Als wir erst mal drin waren, beschloss er, sich - trotz meines Drängens ob der knapp werdenden Zeit - noch ein Käsebrot zu bestellen und dieses ziemlich große sowie geruchsintensive Teil, munter mit all seinen ihm bekannten Gästen schwatzend, sehr langsam zu verspeisen.
Hab dann meinen Zug verpasst.

Bin sehr sauer aufgewacht und mochte für einige Momente dieses Morgens Sven Regener nicht mehr.

Redakteur

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15. April 2017, 11:36

Ostergedanken zur Leitkultur

KAPITEL I - KARFREITAG

Jeder, der am stillen Feiertag ein wenig mit offenen Augen durch facebook blättert, findet seinen Aufreger.

Das können widerliche Posts aus dem Volk sein, das leider keine Pausen macht. Mein täglich Brot. Die verbalen Unfälle, die man eigentlich gar nicht sehen will, bei denen man aber auch nicht wegschauen kann. Selber schuld, wer ständig bei Unfallschwerpunkten vorbei schaut.

Oder, aktueller, das Thema "Tanzverbot an Karfreitag", über das man sicher prinzipiell diskutieren kann, dessen Irrelevanz mir aber die Energie nicht wert ist, denn ob die Party-People drei, vier Tage im Jahr nicht "Huuuuu!" schreiend mit den Armen wedeln dürfen, rauscht mir persönlich, mit Verlaub, in einigen Kilometern Entfernung an der rektalen Öffnung vorbei.

Meine Bewunderung aber gilt diesem einen, dem Helden unter den Problemfindern, dem ungekrönten König der Mahner im Auftrag der Leitkultur, dem das alles nicht reicht, und der sich deshalb lieber ob der Tatsache zumindest deutlich verwundert äußert, dass viele Leute schon an Karfreitag "Frohe Ostern" wünschen.
Ich werde das weiter beobachten, bin aber durchaus guter Dinge, dass das mal die Schwester von "Spekulatius im September" wird.


KAPITEL II - KARSAMSTAG

Rätsel des Tages: Welches Wort passt nicht in die Reihe, steht aber trotzdem immer da und macht irgendwie alles kaputt?

Frühlingssonne - Vogelzwitschern - Kirschblüte - Frühjahrsputz

Leck mich, Leitkultur!


LAUNIGER NACHTRAG:

Was dabei herauskommt, wenn man während >>> Kapitel II <<< über >>> Kapitel I <<< sinniert:

Ein guter Wunsch zur falschen Zeit
schafft unverhofft Verdrießlichkeit.
Drum prüfe, wer was wünschen mag:
Ist es dafür der rechte Tag?
Zur Wunschkultur ein erster Beitrag:
Wünsch nie was Frohes an Karfreitag!

Redakteur

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15. Januar 2017, 11:50

Bin ich eigentlich alt?

Diese Frage taucht in letzter Zeit immer wieder einmal auf, sei es in Gesprächen mit etwa Gleichaltrigen oder auch, wie heute Morgen, beim Öffnen meines E-Mail-Accounts.
Und sie ist ja durchaus relevant. Insbesondere wenn es darum geht, ob ich vielleicht zu alt für dies und jenes bin.
Habe ich beispielsweise den Punkt schon erreicht, an dem originell formulierte Schmeicheleien oder auch augenzwinkernde Scherze mit einem winzigen Hauch Anzüglichkeit gegenüber jungen Damen nicht mehr unterhaltsam, humorvoll und vielleicht gar ein bisschen anziehend wirken, sondern mich wie einen wunderlichen Lustgreis aussehen lassen?

Das Problem an der Sache: Ich finde keine eindeutige Antwort.

Okay, da gibt es so eine Zahl. Aber die liegt irgendwie mittendrin. Nicht mehr hier, noch nicht da.
Was hingegen sowohl hier als auch da vermehrt auftritt, sind physische Veränderungen und das, was man wohl „Befindlichkeiten“ nennt. Meine Beweglichkeit nimmt fühlbar ab, mein Umfang sichtbar zu.
Untrügliche Zeichen? Man ist schließlich so jung wie man sich fühlt, und physisch fühle ich mich schon etwas anders als… damals…

Aber da sind wir ja schon beim Problem, das die Frage nach Altsein oder nicht für mich so schwierig macht.
Mein Körper mag so langsam dem Verfall entgegenschlittern, mein Geist aber fühlt sich immer noch wohler in der Gesellschaft studentischer Ausgelassenheit als bei Kaffee und Kuchen mit Kinderbetreuung.
Meinen Geburtstag feiere ich nach wie vor jedes Jahr etwa genauso wie mit Mitte zwanzig – nur dass die meisten Gäste mittlerweile früher ins Bett gehen. Die Ausschweifungen mögen heute nachhaltigere Spuren hinterlassen, aber wenigstens bin ich darüber hinaus, mit schmerzverzerrtem Gesicht und brüchiger Stimme zukünftige Abstinenz zu schwören. Ich bin alt genug, um zu wissen: Es geht vorbei. Und ich bin jung genug, um es nächstes Mal wieder zu tun.

Kürzlich stellte ich fest, dass ich auf der Arbeit mittlerweile zum ältesten Drittel der Belegschaft gehöre. Aber nur auf dem Papier. Interessanterweise tummeln sich in den anderen zwei Dritteln nach meinem Dafürhalten nämlich etliche Menschen, die erwachsener sind als ich. Die haben Pläne, Ziele und Vorstellungen, wie sie bei mir selbst jetzt noch den Drang hervorrufen, mich mit theatralisch zur Schau gestelltem Gruseln davon fernzuhalten, um nur ja nicht spießig und verknöchert zu wirken. Mir haftet noch das desinteressierte „ich mach halt erst mal irgendwas“ an, wie es sich eigentlich nur für Menschen geziemt, die noch nicht mal wissen, was sie nach dem Abitur studieren wollen. Und „vielleicht irgendwann mal“ halte ich immer noch für einen durchaus adäquaten Zeitpunkt für vernünftige Maßnahmen.
Ich habe noch kein Haus gebaut, soweit ich weiß kein Kind gezeugt, und der Glücksklee auf dem Fensterbrett zählt vermutlich auch nicht als Baum.

Mit der irgendwie in den Neunzigern hängen geblieben Einstellung geht auch mein Äußeres und dessen Diskrepanz zu meinem Umfeld einher. War ich einst einer von vielen in meinem Schuljahrgang, die das Haar länger trugen und schlecht rasiert waren, bin ich heute so ziemlich der Letzte, der immer noch den Weg zum Friseur sucht und beim Gilette-Werbespot „Was ist DAS denn?“ fragt.
Mit vierzig trägt man auch keine T-Shirts mehr, habe ich mal gelesen. Ups! Bei mir gibt es immer noch den Kapuzenpulli drüber. Und eine Jeans, die nicht mehr unbedingt vollständig intakt sein muss.
Meine jüngsten Kollegen kommen sich jetzt schon nicht mehr so albern vor, wenn sie sich einen der Karriere förderlichen Stofflappen um den Hals knoten, wie es bei mir wahrscheinlich auch in zwei Jahrzehnten noch der Fall sein wird.
Kurz gesagt: Auf dem Campus falle ich wahrscheinlich weniger auf als in einer Dienstbesprechung.

Bin ich also jung geblieben?
Oder bin ich einfach nur verzweifelt?
Bin ich nun alt oder nicht?

Die Antwort auf diese drängende Frage kann eigentlich nur jemand geben, der so gut wie alles über mich weiß: Big Data.
Und deshalb werde ich mir in Kürze die Haare abrasieren, mir einen langen grauen Mantel kaufen, einen passenden Hut dazu aufsetzen und Enten füttern gehen.
Denn es kommt halt doch irgendwann unweigerlich der Zeitpunkt, an dem man die Dinge akzeptieren muss, wie sie sind.
Und ich glaube, bei aller Schmerzlichkeit der Erkenntnis werde ich dem Datenkraken für seine unverblümte Offenheit danken, wenn ich demnächst endlich mal eine dieser unzähligen E-Mails aufmache, die mir maßgeschneiderte Angebote für Treppenlifte versprechen.

Redakteur

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03. Oktober 2016, 13:24

Vier Jahreszeiten (II) - Fortsetzung und Gegensatz

Wenn man gerade festgestellt hat, dass man für den eigentlich geplanten Ausflug irgendwie viel zu faul ist, und es just in dieser Minute anfängt, draußen wie aus Kübeln zu schütten, dann weiß man einmal mehr:

Herbst, wir zwei verstehen uns einfach.

Redakteur

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23. August 2016, 17:01

Kann man nichts machen

Vielleicht habt Ihr das auch schon erlebt:
Da kennt man jemanden, seit man denken kann, und konnte ihn noch nie leiden. Jedes Aufeinandertreffen ist lästig, anstrengend, beschwerlich. Man hofft einfach nur, dass es bald vorbei ist. Und doch lässt es sich nicht vermeiden, dass man sich immer wieder über den Weg läuft.
In meinem Fall ist dieser Andere oft widerwärtig und ekelhaft in seiner Art, manchmal sogar brutal. Nur zu verständlich, dass ich ihn nicht ausstehen kann und jedes Mal froh bin, wenn er wieder weg ist, oder?

Nun, diesmal schien es anders zu laufen. Ich war selbst überrascht, war ich doch aus Erfahrung bei unserem aktuellen Aufeinandertreffen schon vorsorglich missmutig. Doch er zeigte sich verändert. Entspannter. Nein, besonders toll war es deswegen nicht mit ihm, es gab immer noch überaus unangenehme Momente, aber, immerhin, erstaunlich wenige.

Bis kurz vor seinem Abschied. Ich weiß nicht, warum, aber plötzlich verfiel er wieder in seine alten Gewohnheiten, so als wollte er die Dinge im negativsten Sinne gerade rücken. Er zertrampelte nicht nur das zarte Pflänzchen meines Wohlwollens ihm gegenüber, nein, er riss es aus dem Boden und biss es in der Mitte durch, offensichtlich mit Genuss, ist er doch vor allem Sadist.
Mir bleibt am Ende nur, mich regelrecht dumm zu fühlen, weil ich tatsächlich gedacht hatte, er würde es einmal, wenigstens einmal hinbekommen, sich nicht von seiner abstoßenden Seite zu zeigen. Aber es ist nun mal, wie es ist:

Sommer, du bist und bleibst ein Arschloch.

Redakteur

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27. Juni 2016, 20:28

Verkehrsmelder IX: Korsika

Was haben wir gelacht, als es im Reiseführer hieß, man solle abseits der wenigen Schnellstraßen auf Korsika nicht mit mehr als 40 km/h im Schnitt rechnen!
Die Erheiterung endete mit dem ersten Ausflug. Schnell gaben wir uns den Korsen geschlagen, diesen bewundernswerten Großmeistern der Entschleunigung. Ihre Mittel sind einfach, kostengünstig und effektiv:

1. Es werden Kurven gebaut. Überall. Die einzigen paar Meter gerader Strecke findet man im langweiligen östlichen Flachland, wo selbst der Einheimische nur (für seine Verhältnisse) schnell durchrauschen will, aber sogar da, auf der zentralen Schnellstraße von Nord nach Süd, sorgen unzählige Kreisverkehre und der hervorragend organisierte Feierabendstau noch dafür, dass man den Tempomat getrost ausbauen kann. Ansonsten: Kurven. Keine Serpentinen in den Bergen, das wäre irgendwie zu rhythmisch, zu durchschaubar, nein, einfach eine wilde, unvorhersehbare Aneinanderreihung von Kurven, eine nahtlos in die andere übergehend. Und wo eine Gerade an einem Felsen vorbei führen könnte, wird der gesprengt, um Platz für Kurven zu schaffen.

2. Straßen werden nie breiter gemacht als unbedingt nötig. Was nicht Hauptverkehrsader ist, braucht nicht mehr als eine Spur. Und in der Ausgestaltung kann sich der Schotte mit seinen „Sinlge-Track-Roads“ noch was abschauen. Ausweichstellen? Was ist das? Nix da! Rechts der Fels, links der steile Abhang, und zwischen Asphalt und diesen natürlichen Begrenzungen hat es allenfalls noch etwas Gebüsch, durch das sich quietschend und schrammend Autos fräsen, wenn sie sich dummerweise begegnet sind. Das führt uns gleich weiter zum nächsten Punkt:

3. Auf Absicherungen wird großzügig verzichtet. Leitplanken sind doofes, neumodisches Zeug und kosten nur Geld. Sieht man doch, wo die Straße endet und die Schlucht beginnt, und da fährt man halt dann nicht über den Rand. Man muss nur langsam (!) machen, dann geht das schon. Und wenn doch mal einer abstürzt, hat das auch noch seinen Sinn, denn sein Auto bleibt einfach im bewaldeten Hang liegen und mahnt besser zur Langsamkeit als jedes „Vorsicht Schule!“-Schild.
Übrigens: Wer - vielleicht als Kenner der hiesigen Kolumne - nun sagt „ach, Abgründe am Straßenrand gibt’s auf anderen Mittelmeerinseln auch“, der verkennt eines: Während die Gefahrenstellen beispielsweise auf Kreta (siehe Verkehrsmelder vom 20.07.14) durch abgebrochene Ränder völlig maroder Straßen entstanden sind, hat man auf Korsika inzwischen viel dafür getan, die einst als geradezu unbrauchbar verrufenen Verkehrswege zu sanieren - sie sind allerdings danach noch genauso gefährlich. Man fällt halt heute gegebenenfalls von einer renovierten Asphaltdecke in den Abgrund.

4. Weil sich die Einwohner der zahllosen Örtchen vehement dagegen wehrten, dass ihre Häuser gesprengt werden sollten, um die Ortsdurchfahrten kurviger zu machen, einigte man sich stattdessen auf Hubbel in vergleichbarer Frequenz. Meist sind es Asphalthügel, wie man sie aus unseren Tempo-30-Zonen kennt, aber während sie dort in großzügigen Abständen nur mal kurz für Aufmerksamkeit sorgen sollen, gleichen korsische Ortsdurchfahrten einer Buckelpistentour. Und wo diese straßenbauliche Maßnahme vergessen wurde, schraubt man eben nachträglich eine Reihe von erhöhten Metallplatten auf. Die machen dann wenigstens auch noch Lärm.

So bewegt sich also der Korse gemütlich über seine Insel, und dabei stellt er unter Beweis, dass er kein Franzose ist: das auf dem Festland übliche Dauergeblinke (siehe Verkehrsmelder vom 31.12.12) findet nicht statt. Eigentlich blinkt der Korse so gut wie gar nicht, was auch irgendwie egal ist, man sieht ja aufgrund der Gemütlichkeit immer rechtzeitig, wer wohin will.
Er hupt allerdings auch kaum, was der These, der Korse sei mehr Italiener als Franzose, wiederum einen Dämpfer versetzt.
Nein, der Korse ist einfach nur Korse und fährt einfach so vor sich hin. Langsam und gemütlich. Und erstaunlicherweise nur selten in den Abgrund.

Redakteur

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19. Mai 2016, 18:14

Ich als Künstler

Ach du meine Güte, habe ich hier schon lange nichts mehr geschrieben!
Dabei gab es doch in letzter Zeit durchaus den einen oder anderen Gedanken, den ich gerne mal weiter gedacht und das Ergebnis vielleicht dann zu virtuellem Papier gebracht hätte. Beispielsweise über die Hintergründe der häufig mangelnden Wiederverschließbarkeit von Schmelzkäseecken.
Aber… ich weiß auch nicht… ich hatte einfach dauernd zu viel anderes Zeug im Kopf und um die Ohren.

Oh. Möglicherweise erweckt das den Eindruck von Lustlosig- oder Nachlässigkeit. Und der Gerne-Leser, der nach Geschriebenem lechzt, mag es bestimmt nicht, wenn man nachlässig mit der Erfüllung seiner Bedürfnisse umgeht.

Ach, wäre ich doch nur Autor! Ich müsste nicht erklären, Ruhe, geistige Kapazitäten und Zeit nicht ausreichend gehabt oder nicht ausreichend in die entsprechenden Kanäle gelenkt zu haben! Nein, ich hätte einfach eine „Schreibblockade“ gehabt.
Der potentielle Leser sähe mich nicht faul gammelnd oder viel zu unautorische Dinge wie Steuererklärungen machend vor seinem geistigen Auge, nein, er würde mich imaginieren, wie ich tagelang Fingernägel kauend auf meinen Computerbildschirm starre - oder, noch besser, meine Feder kauend auf ein leeres Pergament - und auf die Eingebung warte, auf den inspirativen Funken, der mir doch sonst stets zur rechten Zeit geschickt wurde, mir, dem Berufenen, jetzt von den Musen Fallengelassenen… wie ich verzweifle, weil er nicht kommt, der Funke, wie ich weine, nichts mehr esse, mich zunehmend krank fühle, meinen Schmerz gen Himmel schmettere… Aus beleidigt würde mitleidig. Pakete würde ich bekommen mit Kaffee und Gummibärchen, tröstende Briefe beigelegt, vielleicht sogar mit eindeutigen Angeboten, die Musenrolle zu übernehmen, so wie sich halt manche die Musenrolle für ihre Schreibenden so vorstellen.
Aber ich bin nun mal kein Autor. Ich bin nur jemand, der ab und zu was schreibt.

Und Künstler bin ich auch nicht.
Also, schon irgendwie, aber halt nicht so ein Künstler, der so ist, wie Künstler zu sein haben, die nicht müde werden, von sich zu sagen, dass sie Künstler sind: sich auf die Kunst konzentrierend, nichts als Künstler seiend. Denn Künstlersein wird in der Regel als alles erklärende und ausfüllende Eigenschaft angesehen.
Aber so ist das bei mir nicht. Ich bin nur einer, der so dies und jenes tut und macht, wie andere Leute auch, und in seiner Freizeit dann eben auch mal Kunst. Sogar vor Publikum.
Ob das reicht? Dann könnte ich, ähnlich Verständnis erzeugend wie der schreibblockierte Autor, davon reden, eine „Schaffenskrise“ gehabt zu haben.

Außerdem könnte ich jeden zweiten Satz mit „Ich als Künstler…“ anfangen. Das tun sie gerne, die Künstler. Dabei ist das, so scheint es mir als Irgendwie-auch-Künstler, ein überheblicher, alberner, schlicht inhaltsloser Vorsatz.
Was soll denn das sein - „ Ich als Künstler“? Sind Menschen, die etwas erschaffen, von dem die Allgemeinheit oder wenigstens der Schaffende selbst annimmt, es sei Kunst, tatsächlich so anders in ihren Ansichten und Gefühlen als beispielsweise ein Mechaniker oder ein leitender Angestellter?

Künstler erwähnen das Künstlersein ja oft nicht nur, wenn es um das ohnehin allgemein allzu mystifizierte Künstlersein an sich geht. Sie sitzen auch in Talkshows, sagen „Ich als Künstler…“ und treffen dann eine Aussage zu Fiskalpolitik oder Brotbacken, als würde die Einleitung ihrer Meinung eine völlig andere Bedeutung verleihen, als hätten sie alleine dadurch, dass sie morgen wieder ein Bild malen oder einen Text klöppeln, heute Abend eine gänzlich andere Sichtweise auf das gerade besprochene Thema als "normale" Menschen.

Mal ehrlich, liebe Mit-Künstler: Letztlich seid ihr doch auch nur so Leute. Vielleicht habt ihr eine Begabung, vielleicht nicht mal das. Vielleicht habt ihr, wie ich, einfach nur ein nettes Hobby und Spaß daran, ab und zu etwas zu erschaffen und dann sogar vorzuführen. Und selbst, wenn ihr es zum Beruf gemacht habt - hey, das machen andere auch, beginnen dann aber auch nicht jeden dritten Satz mit „Ich als Koch…“ oder so.

Natürlich mag es sein, dass ein Künstler manchmal einen anderen Blick auf seine Umgebung und die Geschehnisse darin hat, weil er sie sofort zur künstlerischen Verwurstbarkeit verlinkt. Aber was ist daran speziell?
Während der Durchschnittsautofahrer eine kurvenreiche Strecke in aller Regel als eher lästig betrachtet, sieht der, der bei schönem Wetter aufs Motorrad umsteigt, darin das Versprechen eines wunderbaren sommerlichen Ausritts. Aber wird er deshalb irgendwann mal sagen „Ich als Motorradfahrer finde die Sparpolitik der Regierung fragwürdig!“ oder „Ich als Motorradfahrer glaube, das war Abseits!“?
Und wie anders muss der Blick eines leidenschaftlichen klassischen Grill-Betreibers auf ein saftiges Steak sein als der des Veganers…

A propos: Der Veganer muss ja auch dringend in jedes Gespräch einfließen lassen, dass er Veganer ist. Genau wie der Künstler stellt er diese eine seiner vielen Eigenschaften bei jeder Gelegenheit heraus, vermutlich weil er damit vermitteln möchte, ein besserer Mensch zu sein, reflektiert, bewusst, moralisch-ethisch überlegen.
Und was will der Künstler vermitteln, der laufend erwähnt, Künstler zu sein?
Ich als Künstler weiß es nicht. Aber: es funktioniert.
Die Aussage erzeugt aus nicht nachvollziehbaren Gründen Ehrfurcht und Bewunderung, vermittelt, dass man auf einer anderen Ebene unterwegs sei, in fremden Sphären schwebe. Es schwingt das „ich kann was, was ihr nicht könnt“ mit.
Auch hier gilt selbstverständlich: das ist mit allem anderen, das irgendwer kann, nicht anders. Aber unerklärlicherweise zieht nur das künstlerische Können, und sei es nur das behauptete, eine Art Gehege um den Inhaber, das es ihm zusätzlich erlaubt, sich aus gebührender Entfernung bestaunen zu lassen und darin allerhand Unsinn zu reden und zu tun, den man beispielsweise einem begnadeten Installateur oder fähigen Lehrer nie zugestehen oder nötigenfalls verzeihen würde.

Die Besonderheit besteht womöglich darin, dass der Künstler immer unangreifbar bleibt.
Baut der handwerklich Produzierende Mist, kann das jeder Stammtischbewohner anhand des nicht funktionstüchtigen Ergebnisses beurteilen. Noch besser bei Politikern, Juristen, Lehrern und manch anderen - hier muss man es noch nicht mal beurteilen können, um trotzdem für jedwede herabwürdigende Äußerung gegenüber deren Handeln reichlich Applaus zu ernten.
Wer aber das, was der Künstler künstlerisch treibt, nicht zu schätzen weiß, ist halt nicht bereit dafür oder einfach ein Banause. Und deswegen sagt man schon lieber gar nichts. Auch nicht zu dem, was der Künstler außerhalb seines Kunstschaffens so vom Stapel lässt, denn wenn man das für Unsinn hält, ist das kein Hinweis auf die Qualität des Geäußerten, sondern darauf, dass man als plumper Nichtkünstler eben einfach nicht versteht, wie es der ach so speziellen Künstlerseele gerade so ergeht. Und wer will sich das schon nachsagen lassen? Da nickt man doch lieber, seufzt vielleicht kurz und nippt am teuren Rotwein.

„Ich kann was, was ihr nicht könnt“ heißt hier gleichsam „ich sehe was, was ihr nicht seht“. Und scheinbar glaubt man das den Künstlern sogar.
Dabei kann ich als Künstler definitiv sagen: nein. Das wüsste ich.

Es ist am Ende ungefähr so wie mit dem Doktortitel: Im Grunde sagt der kaum etwas aus, aber er wird uns für immer und alle Zeit schwer beeindrucken und aus nicht nachvollziehbaren Gründen die Chancen auf ein höheres Gehalt vervielfachen. Also macht man’s halt.

Ich hab meinen Doktor nicht gemacht.
Ich hatte auch keine Schreibblockade und keine Schaffenskrise.
Ich hatte einfach nur anderes Zeug im Kopf und um die Ohren, und habe deshalb die Einträge hier etwas schleifen lassen.
Geht doch jedem mal so, oder? Siehste.
Und ich bin da auch nicht anders.
Auch nicht als Künstler.

Redakteur

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04. Januar 2016, 17:59

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Ich glaube jetzt fest: der Euro ist auf Jahrhunderte hinaus sicher!

Warum? Weil Günter Hannich (siehe zuletzt Beitrag vom 20.​01.​2015) das Gegenteil verkündet. Ihmzufolge käme der Euro-Tod. Aufgrund der Flüchtlingskrise.

Das beruhigt. Denn zuvor kündigte er den Zusammenbruch für spätestens (sic!​) 2015 an, davor sogar schon für spätestens (doppelsic!​) 2014, und wer weiß, wie lange er dieses Spiel schon getrieben hatte, bevor ich mir interessehalber seine Panikwerbung mal näher ansah und ihn für mich entdeckte, diesen erfolglosesten Untergangspropheten aller Zeiten mit dem "Mutti, ich muss mal!​" -Gesicht auf sämtlichen Fotos.
Mal sollte die Ukraine-Krise schuld sein, dann der "besiegelte Grexit", und es geschah jeweils ausgesprochen wenig von dem, was der "wichtigste Geldexperte Deutschlands" (Eigenwerbung Kopp-Verlag - wo sonst?​) prophezeite.

Wenn er nun also posaunt, dass der "Euro-Tod" kommen würde, und das ganz und gar ohne zeitliche Einschränkung, dann scheint nach bisheriger Erfahrung derzeit nichts so sicher zu sein wie der Euro. Und zwar auf ewig.

Freude schöner Götterfunken!

Redakteur

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